Eine Blattvergoldung kann auf verschiedenen Untergründen erfolgen. Holz, Stein und Metall sind die gängigsten Untergründe, welche mit einer Blattgoldauflage veredelt werden. Papier, Kunststoff und Knochen sind ebenfalls geeignete Träger. Die Technik der Blattvergoldung wurde von den Ägyptern erfunden, weil ihnen für die Herstellung der Dekorationen in Massivgold schlichtweg das Gold fehlte. Das Gold wird auf einen Zehntausendstel Millimeter dünn geschlagen und auf eine Grösse von 8x8 cm zugeschnitten. 480 Goldblätter ergeben das Material für ein Goldvreneli.
Restaurierung Turmkreuz, Pfarrkirche Reckingen
Demontage durch Clausen Kran und Haustechnik Imwinkelried
Silbrige Farbe der Überfassung
Turmkugel mit zwei Vergoldungen der Unteransicht
Heutiges Erscheinungsbild basierend auf vier Epochen
Das Kreuz ist mit einer silbrigen Farbe überstrichen (diese Farbe wurde in den sechziger Jahren bevorzug zum Streichen von Kaminrohren verwendet). Der Anstrich ist vielerorts abgeplatzt und Korrosionsschäden sind sichtbar. Der in Kupfer ausgeführte Wetterhahn ist stark oxidiert. Die Turmkugel zeigt zwei Vergoldungen. Die erste Blattvergoldung wurde wohl bei der Entstehung 1853 angebracht. Die zweite, darüberliegende Vergoldung stammt demzufolge von 1962. Nachweisbar ist diese nur noch an der Unteransicht. Auf der oberen Seite wurde das Gold durch Meteorwasser abgetragen.
Durch die Entfernung der alten, pastös aufgetragenen Anstriche wurden verschiedene Punzierungen sichtbar. Aufgrund dessen, konnten die verschiedenen Elemente zeitlich zugeordnet werden. Das heutige Erscheinungsbild basiert auf vier Epochen. Für die Restaurierung wurde das Kreuz am 2.Juni 22 mittels eines Krans demontiert. Der Zustand verlangte eine vollständige Entfernung der angebrachten Anstriche mittels Sandstrahlen. Durch diesen Vorgang wurden alle vorgängig erwähnten Datierungen ersichtlich. Zum Schutz vor Korrosion wurden alle Elemente zweifach mit Rostschutzfarbe gestrichen. Alle Konstruktionselemente erhielten einen zweifachen Anstrich mit Schuppenpanzer Eisenglimmerfarbe. Alle Dekorationselemente wurden ölvergoldet.
Viele Erkenntnisse zur Entstehungsgeschichte konnten dank der versierten Auskunft von Paul Jost, Obergesteln gewonnen werden. Paul Jost war 1962 als Lehrling bei Karl Lagger tätig und fertigte den Wetterhahn in Lehrlingsarbeit an. Gemäss seinen Angaben erstellte eine kunstinteressierte Dame eine Schrift zur Entstehungsgeschichte des Turmkreuzes an und deponierte diese 1962 im Innern des Wetterhahns. Leider waren diese Angaben auf Wachspapier aufgetragen, das sich vollständig aufgelöst hat. Dies bestätigten Kameraaufnahmen im Innern des Hahns welche durch Paul Jost 2022 vorgenommen wurden.
Turmkugel nach der Restaurierung
Turmkreuz nach der Restaurierung
Paul Jost, 60 Jahre nach der Anfertigung des Wetterhahns mit neu vergoldetem «Güggel» und Turmkreuz